Bald hat das lange Warten wieder ein Ende. In weniger als vier Wochen startet die BARMER 2. Basketball Bundesliga ProA endlich in die neue Saison. Eine Saison, die in jedem Fall eine Besondere wird, schließlich ist es die 20. Spielzeit seit Gründung der ProA. Der Countdown für die Jubiläumssaison läuft also und entsprechend stecken auch alle Teams schon tief in ihrer Saisonvorbereitung. Höchste Zeit für einen Blick auf den bisherigen Sommer, in dem sich wieder einiges bei den 18 ProA-Clubs getan hat. Fast die Hälfte der Teams geht mit neuem Coach an der Seitenlinie in die Saison und gerade bei den möglichen Spitzenteams dürfen wir ein großes Wiedersehen mit ehemaligen Aufstiegshelden erwarten. Welchen Einfluss hatten die US-Colleges auf die Offseason und wohin hat es die Nürnberg Falcons auf ihrer speziellen Preseason-Reise verschlagen? All das lest ihr hier in der neuen Ausgabe von Spotlight.
Jede Menge Aufstiegserfahrung bei den Top Favoriten
Dass der Aufstieg in die easyCredit BBL schwer bis nicht planbar ist, haben die letzten Saisons oft genug gezeigt. Klar ist aber auch, dass es definitiv nicht schadet Spieler zu verpflichten, denen dieses Kunststück bereits gelungen ist. Denn die Erfahrung im Kader kann in entscheidenden Situationen den Ausschlag geben. Den auf dem Papier qualitativ stärksten und erfahrensten Kader hat sich der Absteiger MLP Academics Heidelberg zusammengestellt. Aus der BBL ging ein guter deutscher Kern um Paul Zipser, Niklas Würzner, Erol Ersek und Kevin McClain den Weg in die ProA mit. Bis auf Erstgenannten haben alle schon einen ProA-Aufstieg in ihrer Vita stehen. Für Erol Ersek waren es im Prinzip sogar zwei, weil die Tigers Tübingen 2023 trotz Finaleinzug auf den Gang in Liga Eins verzichteten. Doch damit nicht genug, die Heidelberger legten qualitativ weiter nach und sicherten sich früh in der Offseason die Dienste von Joschka Ferner (ProA-Meister 2023 mit RASTA Vechta) und Lorenz Brenneke (Aufstieg mit den SKYLINERS 2024). In frischer Erinnerung ist zudem Chuck Harris, der in der letzten Saison mit Kirchheim im ProA-Finale stand. Insgesamt hat der Kader der Academics also nun sieben sportliche BBL-Aufstiege im Kader, das ist eine Ansage.
Einen ähnlichen Ansatz wählten die GIESSEN 46ers, die sich direkt den Aufstiegsexperten schlechthin angelten. Chris Carter spielte vor der kommenden Saison bei vier verschiedenen Vereinen in Deutschland. Und egal ob mit bei RASTA Vechta, den NINERS Chemnitz, den ROSTOCK SEAWOLVES oder zuletzt Science City Jena, überall gelang dem Point Guard der Finaleinzug und damit der BBL-Aufstieg. Nun soll also in Gießen der fünfte Streich gelingen und da passt es perfekt, dass die 46ers in Zach Cooks direkt einen weiteren alten Bekannten verpflichteten. Cooks war 2024/25 nicht nur ein Teil der Jenaer Erfolgsmannschaft, ihm gelang sogar der entscheidende Wurf. Im vierten Spiel der Halbfinalserie zwischen Jena und, wie passend, Gießen stand es kurz vor Schluss 95:95. Ein letzter Angriff blieb Jena noch. Der Ball landete bei Cooks, der attackierte und den Ball zum Sieg im Gießener Korb unterbrachte. Damals ließ der schnelle Guard die Gießener Träume von der Rückkehr in die BBL zerplatzen, kann er diese Saison der entscheidende Faktor zum Erreichen dieses Ziels der 46ers sein?
Für die HAKRO Merlins Crailsheim verliefen die letzten Playoffs nicht nach Plan. Mit Hauptrundenplatz zwei im Gepäck hatte man sich sicher mehr als das Viertelfinalaus vorgenommen. Was in diesem Sommer folgte war ein Radikalumbau des Teams. Nur Gianni Otto und Till Isemann blieben in Hohenlohe, der Rest des Kaders inklusive Coach McCray verabschiedete sich. Bei den Neuverpflichtungen wird deutlich, dass keine Experimente eingegangen werden sollten. Nur Forward Peyton Gerald hat noch keine Erfahrung im deutschen Basketball vorzuweisen, ansonsten sind uns die neuen Merlins gut bekannt. Simon Krajcovic geht in seine fünfte ProA-Saison, ebenso wie Hendrik Drescher, der aus seiner Trierer Zeit schon einen Meistertitel im Gepäck hat. Mit Lucas Mayer kam einer der besten deutschen Guards der vergangenen Jahre und aus Vechta angelte man sich Luc van Slooten und Booker Coplin. Für letzteren kommt es zur Reunion mit seinem ehemaligen Coach. Denn der neue Mann an der Crailsheimer Seitenlinie ist Florian Flabb. 2022/23 arbeitete er bereits mit Coplin bei den ART Giants Düsseldorf zusammen, ehe er in den vergangenen beiden Saisons die OrangeAcademy coachte und in die ProA führte.

Der internationale Einfluss an der Seitenlinie I
Neben den Merlins gehen insgesamt gleich sieben weitere Vereine mit neuen Headcoaches in die kommende Saison. Mit Ausnahme des bereits beschriebenen Florian Flabb, kommt keiner der neuen Cheftrainer aus Deutschland. Ob aus Spanien, Frankreich den USA oder dem Baltikum, die Coaches bringen jede Menge Vielfalt und neue Einflüsse in die ProA. So setzt die OrangeAcademy nach dem Abgang von Aufstiegstrainer Flabb auf den Franzosen Mehdy Mary. Der 46-jährige bringt eine Menge Erfahrung mit, gerade in der Förderung junger Talente, was beim Farmteam von ratiopharm ulm perfekt passen dürfte. Drei Jahre trainierte er die U21 vom Euroleagueclub ASVEL Villeurbanne, ehe er den Nachwuchs in Limoges coachte, wo er auch später das Erstligateam übernahm. Reisen wir aus Frankreich weiter nach Belgien. Aus dem kleinen Ort Mol stammt Ferried Naciri, der neue Mann an der Seitenlinie der Eisbären Bremerhaven. Die Nordseestädter mussten ihre erfolgreiche letzte Saison mit dem Abgang von Coach Esterkamp bezahlen, der das Interesse von BBL-Club Jena geweckt hatte. In Naciri fanden die Eisbären einen passenden Nachfolger, der trotz seiner erst 37 Jahre schon auf mehr als ein Jahrzehnt an Coaching-Erfahrung zurückblicken kann. Der Belgier war zunächst in seiner Heimat tätig, ehe es ihn über Dänemark und die Niederlande in die BBL verschlug. Hier arbeitete er als Co-Trainer in Oldenburg und Braunschweig, ehe er nun wieder auf einen Chefposten rückt.
Auch Medikamente per Klick Bayreuth ist bei der Trainersuche auf einen Coach aus einem Nachbarland gestoßen. In der neuen Saison hat Vincent van Sliedregt das Taktikboard in der Wagnerstadt in der Hand. Der Niederländer war lange Zeit Headcoach bei LWD Basket in der belgisch-niederländischen BNXT League. Fun Fact #1: Sein Vorgänger beim Club aus Leeuwarden war 2021 Ferried Naciri. Fun Fact #2: Den wurfstarken Matt Frierson (2022-24 bei den Eisbären Bremerhaven) hat van Sliedregt direkt nach Bayreuth mitgebracht. Neben seiner Tätigkeit bei LWD Basket war der Niederländer zudem auch Chefcoach der niederländischen Damennationalmannschaft. Diese Doppeltätigkeit ist nun nicht mehr möglich, der volle Fokus gilt Bayreuth. Frankreich, Belgien, Niederlande… die BG Göttingen hat bei der Besetzung des Trainerpostens noch etwas weiter geblickt und ist in Lettland fündig geworden. Martins Gulbis tritt die Nachfolge von Fabian Strauß an, mit dem sich die BG nach den eher ernüchternden Playoffs auf eine Vertragsauflösung geeinigt hatte. Der Lette bringt einiges an Erfahrung aus dem Baltikum mit. Mit VEF Riga holte er die Meisterschaft und durfte sich auch persönlich über die Auszeichnung als Coach des Jahres freuen. Göttingen wird nun seine erste Station außerhalb der Heimat, parallel wird er aber als Co-Trainer weiter für die lettische Nationalmannschaft arbeiten.

Alles was euer Verein für die neue Saison braucht [Anzeige]
Die Vorbereitung deiner Teams auf eine neue Saison bedeutet mehr, als nur Trikots zu bestellen. Neue Spieler kommen dazu, Größen ändern sich und jede Mannschaft muss vor dem ersten Tip-off startklar sein.
Der Club Catalog 26/27 hilft dir dabei, alles zentral zu planen. Entdecke Spielkleidung, Warm-up-Apparel, Sublimationsprodukte und Basketball-Essentials – entwickelt für Vereine wie deinen.
ENTDECKE DAS GESAMTE SORTIMENT
Lade den Club Catalog hier herunter und entdecke alle Neuigkeiten, Produkte und Vereins-Essentials für die kommende Saison.
NOCH FRAGEN?
Fragen zu Größen, Individualiserung, Teamwear-Auswahl oder zur Vorbereitung deiner Teams auf die neue Saison? Unser Team hilft dir gerne weiter. Kontakt: lockerside@unitedspb.eu
Der internationale Einfluss an der Seitenlinie II
Vier internationale Trainer werden wir also in der nächsten Saison genau kennenlernen, die drei weiteren neuen Coaches haben bereits ProA-Erfahrung gesammelt. Der prominenteste Name ist sicher Felix Banobre. Der langjährige Headcoach der VfL SparkassenStars Bochum übernahm in diesem Sommer den Posten bei den Tigers Tübingen und soll der Architekt eines Neustarts werden. Nach der enttäuschenden vergangenen Saison müssen gleich zehn Neuzugänge in Tübingen zu einer Einheit geformt werden, die zusammen mit den verbliebenen Till Jönke und Melkisedek Moreaux für einen spielerischen Aufschwung sorgen sollen. Dass Banobre der richtige Mann für eine langfristige Entwicklung eines Standorts sein kann, hat der Spanier in Bochum unter Beweis gestellt. Fast sieben Jahre coachte er tief im Westen und führte die SparkassenStars in die ProA. Als sich die Wege mit Banobre im vergangenen Frühjahr trennten, setzten die VfL SparkassenStars Bochum zunächst bis Saisonende auf die interne Lösung Petar Topalski (bis dahin Assistant Coach). Wie geplant rückt dieser nun wieder in das zweite Glied, stattdessen übernimmt ein weiterer ehemaliger Co-Trainer das Ruder. Alvaro Sanchez tritt seine erste Headcoach-Stelle im Profibereich an. Damit hat Bochum also wieder einen spanischen Cheftrainer. Der in Barcelona aufgewachsene Sanchez arbeitete schon in Schweden, Ägypten und den Niederlanden, seit 2024 war er im Staff der SparkassenStars und war als neuer Chef die Wunschlösung der Bochumer. Doch nicht nur im Ruhrgebiet beförderte man einen Assistant zum Headcoach. Auch die Nürnberg Falcons vollzogen diese Rochade, in der Ralph Junge wieder seine Hauptaufgabe als Geschäftsführer übernahm und damit Platz für Tim Black machte. Der US-Amerikaner verbrachte schon als Spieler einige Jahre in Deutschland. Nach der aktiven Karriere ging Black zunächst zurück in die USA, ehe er 2024 zum Coachingteam der Falcons stieß. Gut zwei Saisons konnte er als Co-Trainer Erfahrung sammeln, sodass nun seine erste Saison in voller Verantwortung bevorsteht. Und diese beginnt für die Falcons gleich mit einer der ungewöhnlichsten Preseasons…

Einmal China und zurück: Die außergewöhnlichste Vorbereitung
15 Spiele in gut drei Wochen! Das klingt nach einem verblüffend straffen Vorbereitungsprogramm, schließlich entspricht das schon fast einer halben Saison. Doch die Nürnberg Falcons setzen noch einen drauf und bestreiten diese Spiele im Rahmen einer Turnierreise durch China! Am 5. August flogen die Falken los, die Rückkehr war am gestrigen Montag. Coach Black blickt durchaus positiv auf diese Reise, denn „Spieler bestreiten lieber Spiele, als sich nur durch Lauftraining in Form zu bringen.“ Bleibt natürlich die Frage, inwiefern bei diesem Pensum die Spielzüge und Automatismen entwickelt werden können, doch in Asien lief es für die Nürnberger. In Zhongning, beim ersten der Turniere, gewannen die Falcons direkt alle drei Spiele und krönten sich zum Turniersieger. Und das noch ohne Guard Nate Heise und natürlich ohne den frisch verpflichteten Xavier Bell, der erst in Deutschland zum Team stieß. Gegen Gegner aus China, Georgien und Australien holten die Franken auch in den folgenden Spielen einige Siege, bei denen sich vor allem Forward Ty Allred mehrfach als Top Scorer hervortat. Nach der Rückkehr stehen nun noch fünf weitere Testspiele an, sodass die gesamte Vorbereitung 20 Partien umfasst!

Der Ruf vom College
Bereits in den letzten Offseasons machte sich in der ProA der Einfluss des US-Sports bemerkbar. Ein Urteil des obersten Gerichtshof in den USA machte 2021 den Weg für deutlich höhere Gehälter und Vermarktungsmöglichkeiten von College-Athleten frei. Das hat den ohnehin schon vorhandenden Reiz in die USA zu wechseln nochmal verstärkt. Und so sind auch in diesem Sommer wieder einige Athleten aus der ProA in Richtung College gewechselt. Ob Linus Ruf (Wyoming Cowboy Basketball), Fynn Lastring (New Mexico Lobos), Janis Jünemann (Western Michigan University) oder Tom Stoiber (Davidson College) um einige Namen exemplarisch zu nennen. Das hat mittlerweile eine gewisse Normalität entwickelt, neu ist hingegen, dass auch das Verpflichten von Rookies sich erschwert hat. Grund ist abermals das System in den USA. In der NCAA waren bisher vier aktive Saisons das Maximum für die College-Karriere, mit den Regeländerungen dieses Sommers weitet sich diese auf fünf Saisons aus. Das führte bei den Eisbären Bremerhaven dazu, dass man Dillon Hunter bereits als neuen Floor General verkündet hatte, ehe die neuen Regeln ihm doch die lukrativere Rückkehr an die Clemson University ermöglichten. Doch die Eisbären reagierten schnell und stellten Corey McKeithan als neuen Point Guard vor. Auch den Nordkonkurrenten Artland Dragons ereilte dasselbe Schicksal. Kenny Noland entschied sich trotz Zusage in Quakenbrück für eine weitere Saison an der Columbia University. Doch vielleicht war das auch Glück im Unglück für die Drachen, denn als Ersatz verpflichtete man mit Jonathan Klussmann immerhin einen der letztjährigen Top Scorer der ProA.

Das war er, der ProA-Sommer im Schnelldurchlauf. Einen Überblick über alle Transfers und Kader gibt’s übrigens immer aktuell in unserer Wechselbörse. Am 25. September startet dann die neue Saison mit dem Eröffnungsspiel in Gießen, doch sechs ProA-Teams sind wie gewohnt schon vorher im Einsatz. Denn der BBL Pokal steht an und eine ausführliche Vorschau auf die Erstrundenpartien wird es selbstverständlich an dieser Stelle geben. Wenn du das nicht verpassen möchtest, abonniere am besten hier unseren Newsletter, dort gibt es immer einen Reminder, wenn eine neue Ausgabe von Spotlight online ist.

