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Eine Ära neigt sich dem Ende zu

Nach elf Jahren Nördlingen verlegt Mario Matic seinen Lebensmittelpunkt nach Starnberg – aber er geht als Freund

 

 

 

 

 

 

 

Seit  dem Jahre 2005 ist der Name Mario Matic bei den Kennern des Nördlinger Basketballs ein fester Begriff. Für zwei Spielzeiten trug er als Spieler das Rieser Trikot in der 2. Basketball-Bundesliga, wechselte zur BG Leitershofen/Stadtbergen, mit der er den Aufstieg in die ProB schaffte und kehrte als Trainer der Oberligamannschaft des TSV nach Nördlingen zurück.

Nachdem die Giants TSV 1861 Nördlingen nach ihrem sportlichen Abstieg aus der ProA auf ihr Startrecht in der ProB verzichtet hatten, hieß es sich in der Regionalliga zu konsolidieren. Der gebürtige Kroate übernahm das Amt an der Seitenlinie und gab nach dem Motto „Back to the roots“ (zurück zu den Wurzeln) auch dem einheimischen Nachwuchs eine Chance sich in die Mannschaft zu integrieren.

Was folgte ist allen Nördlinger Fans bekannt.

Bereits nach seinem ersten Jahr als Trainer der Giants konnte er den Gewinn der Regionalligameisterschaft feiern. Dieser folgte ein sensationeller zweiter Platz des Aufsteigers in der 2. Bundesliga ProB. Zwei weitere Male führte der Vollblutbasketballer seine Giants unter die Top4 in der ProB. Einzig in der Saison 2013/14 wurde die Erfolgsstory unterbrochen. Mehrere Verletzungen und der Abgang des amerikanischen Spitzenspielers – nach Ablauf der Wechselfrist – führten zum Abstieg in die Regionalliga. Das Management zweifelte keinen einzigen Moment an seinem Trainer und wurde für sein Vertrauen belohnt. Einer glänzenden Saison folgte der sofortige Wiederaufstieg in die 2.Liga. Seinen größten sportlichen Erfolg erreichte Mario Matic in der abgelaufenen Spielzeit. Vor teilweise mehr als 1200 begeisterten Zuschauern in der Hermann Kessler Halle schaffte es der ständig „unter Strom“ stehende Coach seine Mannschaft, die als Außenseiter gestartet war, nach spannenden Spielen bis ins Halbfinale der Playoffs zu führen. Eine weitere Ehrung erfuhr er vom Internetportal Eurobasket. Von diesem wurde er zum ProB-Trainer des Jahres gekürt.

Leider wird das Kapitel Mario Matic in Nördlingen nun zu Ende gehen. Der sympathische 37-Jährige plant seine familiäre Zukunft und hat sich deshalb entschlossen seinen Lebensmittelpunkt zu seiner Lebensgefährtin nach Starnberg zu verlegen.

Mario Matic: „Ich bedanke mich für insgesamt sieben erfolgreiche Jahre mit einem tollen Team, in denen mir die Verantwortlichen das Vertrauen ausgesprochen und mir immer den nötigen Rückhalt gaben. Mein Dank gilt, neben den amtierenden Vorständen der Giants AG Timm Metzler und Werner Schlientz sowie dem Teamkoordinator Leo Emmert auch dem ehemaligen Vorstand Jürgen Kohl. Die lange Zeit der Zusammenarbeit zeigt, wie sehr wir uns gegenseitig geschätzt haben. Der Abschied fällt mir nicht leicht, ich habe mich jedoch entschieden andere Prioritäten in Zukunft zu setzen. Vielen Dank an die Nördlinger Fans, die mich in all den Jahren unterstützt haben. Es sind viele Freundschaften entstanden und ich werde immer wieder gerne nach Nördlingen zurückkommen. Meinem Nachfolger wünsche ich nur das Beste und kann Ihn nur beneiden in einem professionell, aber trotzdem noch familiär geführten Verein wie den Giants TSV 1861 Nördlingen zu arbeiten. Es ist für jeden Trainer eine große Chance und etwas ganz Besonderes eine Stadt wie Nördlingen in der Herren-Bundesliga Pro B deutschlandweit zu präsentieren. Ein besonderer Reiz war auch, einheimische Nachwuchsspieler in ein Profiteam zu integrieren und daraus eine erfolgreiche Mannschaft zu formen. Danke für Alles“.

Der Verein bedankt sich bei Mario Matic für seine großen Verdienste und wünscht Ihm sportlich und privat das Allerbeste auf seinem weiteren Lebensweg.

Auf Seiten des Managements war man mittlerweile nicht untätig. Die Vertragsgespräche mit einem potentiellen Nachfolger stehen kurz vor dem Abschluss.

 

(Giants TSV 1861 Nördlingen)

Coach Mario Matic über Teamgeist, Selbstvertrauen und die Playoffs

In diesem Monat beginnt die Phase, auf die sich jeder Zuschauer und Basketballer besonders freut: direkte Duelle um Auf- und Abstieg. Mit Abstiegsspielen haben die Giants vor zwei Jahren eine negative Erfahrung gemacht, dieses Jahr stehen sie als Aufsteiger überraschend in den Playoffs. Wer in der ersten Runde wartet, steht nach dem letzten Heimspiel gegen die Dresden Titans am Samstagabend fest. Möglich ist unter anderem ein Duell, das an die BBL-Zeit erinnert, und zwar gegen die Artland Dragons Quakenbrück. Im Interview spricht Giants-Trainer Mario Matic über sein „magisches Dreieck“, die mannschaftliche Geschlossenheit und das Selbstbewusstsein, mit dem sein Team knappe Duelle für sich entschieden hat.

Herr Matic, am Samstag findet das letzte Spiel der regulären Saison statt, zum Abschluss kommen die Dresden Titans nach Nördlingen. Als Aufsteiger mit dem kleinsten Etat in die Playoffs: Für Sie und das Team steht bereits jetzt fest, dass die Saison als großer Erfolg eingeordnet werden kann. Wie ordnen Sie die reguläre Spielzeit ein?

Matic: Unsere ganze Mannschaft hat sich ein großes Lob und Danke verdient. Damit meine ich nicht nur meine Spieler, sondern auch die Mannschaft die hinter uns steht. In aller erster Linie das ehrenamtliche Management bei uns, die vielen Leute im Hintergrund: Ohne dieses Team  wäre  Profi-Basketball in Nördlingen definitiv nicht möglich. Ohne das Herzblut dieser Menschen,  unserer Förderer und der Zuschauer könnten wir von solchen Erfolgen und spektakulären Spielen wie zuletzt gegen Leipzig in unserer Halle nur träumen.

Vor der Saison sahen viele Interessierte die Giants als Mannschaft, die gegen den Abstieg spielen wird. Wie haben es die Spieler geschafft, die Skeptiker eines besseren zu belehren?

Matic: Ganz einfach: Die Spieler stehen auf dem Feld und gewinnen die Spiele. Daher gebührt ihnen die größte Anerkennung für den Erfolg. Wir hatten ein extrem glückliches Händchen bei den Neuverpflichtungen und haben hier einige Volltreffer gelandet. Neben dem magischen Dreieck um Jordan Talbert, Janek Schmidkunz und Brandon Lockhart hatten alle Spieler großen Anteil an der sensationellen Runde. Bei Leo Vrkas und Jan Petrovcic wussten wir, wie wertvoll Sie für die Giants sind, weil wir ihre Qualitäten schon aus der Vergangenheit kannten. Chris Reinhardt erlebt bei uns seinen zweiten Frühling und die Entwicklung von Moritz Trieb ist einfach nur noch genial. Nicht zu vergessen sind neben Kwame Duku auch die Nachwuchsleute Steinmeyer, Knie und Seeberger. Sie fordern die Stammspieler täglich in der Halle und haben viel dazugelernt. Sie ermöglichen uns unter guten Bedingungen im Training zu arbeiten.

Sie spielen auf den Faktor Teamgeist an.

Matic: Ja, denn um im Mannschaftssport erfolgreich zu sein, sind Teamleistung und großer Zusammenhalt notwendig. Und wir sind wirklich ein Team in dieser Saison. Einen Spieler, der diese leider verletzt war, will ich hier nicht vergessen. Fabian Brütting ist weiterhin Nördlingens wichtigster Spieler für die Zukunft. Ich bin überzeugt dass er kommende Saison wieder topfit sein wird und zu den stärksten Spielern der ProB zählen wird.

Aber ist es nicht auch wichtig Spieler zu haben, die in der Liga herausstechen. Janek Schmidkunz und Jordan Talbert etwa sind mit ihren Statistiken unter den besten zehn Spielern in der ProB.

Matic: Die persönlichen Auszeichnungen der beiden Jungs sind ein Erfolg unseres ganzen Programms. Ohne das gesamte Team hätten Jordan und Janek nicht so eine bärenstarke Saison gespielt. Zu Jordan muss ich sagen, dass er der menschlich und sportlich der beste Amerikaner in all den Jahren ist, seitdem ich hier Trainer bin. Über die Qualitäten von Janek Schmidkunz muss man auch nur wenige Worte verlieren. Er ist nicht ohne Grund einer der besten Scorer der ProB. Für mich war er keine Überraschung, denn er war mein absoluter Wunschspieler. Ich wusste, was er kann und dass er perfekt in unser Offensivsystem passt,

Die Giants haben zuletzt viele knappe Spiele entscheiden können, wenngleich es wie etwa gegen Leipzig vielleicht auch unnötig spannend war. Treibt diese mentale Stärke die Mannschaft zusätzlich an?

Matic: In 20 Jahren Basketball habe ich viel gesehen und viel erlebt. Wenn es einmal läuft und das Selbstvertrauen da ist, gewinnst du diese knappen Dinger eben. Ob wir diese ganzen Spiele gewonnen hätten, wenn wir um einen Playoffplatz gezittert hätten, ist eher unwahrscheinlich.

Neben der BG Karlsruhe stellen die Giants in dieser Saison die beste Defensive der ProB Süd. Im Basketball gibt es die oft zitierte Weisheit: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Meisterschaften.

Matic: Ohne unsere starke Abwehrarbeit würden wir in der Tabelle nicht so weit oben stehen. Die Mannschaft weiß, dass wir individuell über keine Spieler verfügen, die das Spiel in der Offensive gewinnen können. Es geht nur über das Kollektiv. Über eine kompakte Defensive haben wir viele Ballgewinne und somit einfache Punkte im Schnellangriff erzielen können. Ohne einzelne Spieler hervorzuheben muss ich an dieser Stelle Jordan Talbert und Leo Vrkas loben. Sie gehören auf Ihrer Position definitiv zu den besten Verteidigern der Liga.

Sie haben die Entwicklung von Moritz Trieb, der in diesem Jahr Abitur macht, als „genial“ bezeichnet. Mit über 20 Minuten im Schnitt bekommt er mehr Spielzeit als jeder andere Spieler in seinem Alter. Sind Sie enttäuscht, dass er nicht mit der U18-Nationalmannschaft zu internationalen Turnieren reisen darf?

Matic: Nein, denn die Tatsache, dass Moritz nicht in den Zwölf-Mann-Kader gerutscht ist, zeigt, wie stark die deutsche U18 Nationalmannschaft ist. Mein Trainerkollege Harald Stein spricht sogar von dem stärksten Kader aller Zeiten und hat das große Ziel, das diesjährige Albert-Schweitzer-Turnier zu gewinnen. In einem etwas schwächeren Jahrgang wäre Moritz definitiv im Kader gewesen. Nichtsdestotrotz bin ich sehr stolz auf die Entwicklung eines jungen Menschen, der seinen Weg im Berufsleben und im Basketball gehen wird.

Am 19.März gehen die Playoffs los, die Giants haben Heimrecht in der ersten Runde?

Matic: Ich denke immer von Spiel zu Spiel und am Samstag geht es gegen die Dresden Titans, die seit Wochen einen tollen Basketball spielen. Ich bereite die Mannschaft bestmöglich auf dieses Spiel vor. Erst nach dem Spielende befassen wir uns mit den Playoffs, denn dann wissen wir auch, gegen wen wir spielen.

 

 

(Giants TSV 1861 Nördlingen)