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Denis Wucherer – Eine Leverkusener Erfolgsgeschichte

8. Mai 2020/in Allgemein, ProA 19/20

Am heutigen 7. Mai wird eine Ikone des Leverkusener Basketballs 47 Jahre jung: Denis Wucherer, GIANTS-Erstligaspieler von 1992 bis 1998 bzw. 2002 bis 2005, feiert heute seinen Geburtstag. Der aktuelle Headcoach von s.Oliver Würzburg prägte wie nur wenige Spieler vor ihm den Basketball der „Riesen vom Rhein“. Wir haben beim viermaligen deutschen Meister nachgehört , wie es ihm geht und mit ihm über seine erfolgreiche Zeit in der Rundsporthalle gesprochen.

 

„Meiner Familie und mir geht es gut“, beginnt Wucherer das Telefonat am vergangenen Samstag. Aktuell verbringe der gebürtige Mainzer viel Zeit mit seinem Sohn in Würzburg: „So ein wenig Entschleunigung, bei all dem Stress, den man hat, ist nie verkehrt. Natürlich haben wir uns in den vergangenen Wochen nach dem Abbruch der Liga weiterhin auf eine Fortführung der BBL vorbereitet, doch wir haben die Entscheidung getroffen, an einem möglichen Turnier zur Ermittlung des Meisters 2020 nicht dabei zu sein. Nun gilt mein Fokus der Zukunft, in dieser Hinsicht gibt es einiges zu tun.“ Doch trotz des bitteren Saisonendes, die Unterfranken belegten vor dem Abbruch den achten Tabellenplatz in der ersten Liga, zeigt sich der 123-fache Nationalspieler dankbar: „Es gibt viele Menschen in meinem persönlichen Umfeld, die es wirtschaftlich arg getroffen hat. Ich weiß, meine gute Lage zu schätzen. Die Probleme, über die ich klage, gehören der Kategorie „Luxusprobleme“ an.“

Der Start einer großen Leverkusener Sportkarriere

Doch in diesem Artikel soll es nicht um Corona und die Folgen des Virus gehen, sondern um eine Karriere, die 1992 so richtig Fahrt aufnahm. Im Sommer desselben Jahres wechselte Wucherer nach Leverkusen, der sich noch gut an die damaligen Bedingungen erinnert: „Ich hatte in der Saison 1991/92 mit meinem Bruder als 18-Jähriger in der Bundesliga für Langen gespielt, gleichzeitig besuchte ich die 12. Klasse des Gymnasiums in meiner Heimatstadt Mainz. Dies bedeutete zwar viel Fahrerei, allerdings war es für mich persönlich ein gutes Jahr. Ich habe in Langen die Möglichkeit bekommen, mich in der Bundesliga zu beweisen und zu empfehlen.“
Die Angebote flatterten im Frühjahr ’92 in großer Vielzahl ins Hause Wucherer hinein, bis eines Tages zwei bekannte Basketballpersönlichkeiten vorbeischauten: „Ich habe nicht schlecht gestaunt, als Dirk Bauermann und Otto Reintjes bei uns im Wohnzimmer saßen“, so Denis: „Diese Anerkennung und die Möglichkeit, für das damals beste Basketballprogramm in Deutschland zu spielen, haben mir die Entscheidung leicht gemacht: Ich habe meine Sachen gepackt und bin nach Leverkusen gewechselt.“ Manager Reintjes erinnert sich noch gut an den Ortstermin in Mainz: „Bauermann wollte Denis unbedingt verpflichten, also sind wir per PKW zu seinen Eltern gefahren. Damals haben die Spieler noch selber die Aufgaben eines Agenten inklusive Vertragsgespräche übernommen. Wucherer war ein Riesentalent, intelligent und vor allem im athletischen Bereich hochveranlagt. Wir haben uns unheimlich gefreut, als er den Vertrag unterschrieb.“

Nun ging es also am Rhein auf Korbjagd, wo er mit Spielern wie Henning Harnisch, Michael „Mike“ Koch und Christian „Chris“ Welp zusammenspielte: „Natürlich hatte ich Respekt vor den Namen, die in Leverkusen damals aufliefen, allerdings wusste ich auch um meine Stärken auf dem Feld“, sagt Wucherer und schildert. „Für mich war der Wechsel die logische Konsequenz, ich war der beste Spieler meines Jahrgangs und wollte mich beim TSV beweisen. Es galt für mich, mich in die Rotation zu spielen. Am Anfang war das gar nicht so einfach.“

Seine ersten Wochen in Leverkusen hat Denis noch klar vor Augen: „Ich habe damals in Opladen gewohnt, aber irgendwie war es nicht das Richtige für mich, vielleicht kam auch etwas Heimweh hinzu.“ Doch dies blieb nicht unbemerkt. Ein Teamkollege, der nicht unbedingt als großer Menschenfreund bekannt war, spürte, dass Wucherer nicht bei bester Stimmung war: „Chris Welp hat mitbekommen, dass es mir nicht gut ging. Er hat damals in einem Haus von unserem Physiotherapeut Dieter Happ gelebt, welches über einen ausgebauten Keller verfügte. Chris frug, ob ich Lust hätte, bei ihm einzuziehen und ich musste nicht lange überlegen, um diese Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Es war eine großartige Zeit, die wir gemeinsam verbrachten.“ Auch Reintjes zieht den imaginären Hut vor dem Durchsetzungsvermögen, welches der damals angehende Abiturient an den Tag legte: „Denis hat sich gegen die stärksten deutschen Spieler in jedem Training aufs Neue beweisen müssen und nebenbei sein Abitur in Leverkusen gemacht. Das war ein unheimliches Arbeitspensum für ihn. Umso beeindruckender war es, wie er sich nach und nach in die Rotation gespielt hat.“

Auch sportlich lief es für Wucherer immer besser. Der Allrounder bekam vermehrt Minuten und dann kam dieses eine Schlüsselerlebnis, welches für den Durchbruch sorgen sollte. Leverkusen spielte 1993 Zuhause gegen den Traditionsverein aus Mittelhessen, den MTV 1846 Gießen. Die Begegnung war bis zum Ende heiß umkämpft, beide Mannschaften schenkten sich nichts. Die „Riesen vom Rhein“ lagen in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit zurück, als es Wucherer war, der den Wurf zur Verlängerung traf. An das, was im Anschluss geschah, erinnert sich der damals junge Akteur des TSV heute noch ganz genau: „Das Spiel war unheimlich eng und auch in der Overtime konnten sich weder Gießen noch wir absetzen. Kurz bevor die Partie endete, passte mir Clinton Wheeler den Ball auf Höhe der Dreierlinie zu und ich traf den Buzzerbeater zum Sieg. Im Anschluss trugen mich Henning Harnisch und Kannard Johnson durch die Rundsporthalle. Ein toller Moment!“ An diesem Abend bewies auch einmal mehr das Schicksal sein Gespür für große Geschichten: Denis‘ Bruder Nicolas spielte zu diesem Zeitpunkt für den MTV, Vater Jochen wurde mit den Gießenern im Jahr 1967 deutscher Basketballmeister.

Etablierter Leistungsträger am Rhein

Im Anschluss ging Wucherer weiter entschlossen seinen Weg: 1994 wird er Nationalspieler des DBB, zudem wird der Swingman fester Bestandteil der Leverkusener Rotation. Seinen damaligen Trainer, Dirk Bauermann, lobt Denis in den höchsten Tönen: „Ich war der erste junge Spieler der Leverkusener Bauermann-Ära, welcher von außerhalb in die Rundsporthalle wechselte. Bei unserem damaligen Vertragsgespräch hat mir Dirk schnell das Gefühl gegeben, dass er gerne mit mir arbeiten möchte. Natürlich war mir bekannt, dass Bauermann damals jungen deutschen Spielern nicht das große Vertrauen schenkte. Ich wusste aber, dass ich mich durchsetzen kann. In der harten Schule von Dirk habe ich viel gelernt und ich bin ihm unheimlich dankbar!“

1997/98 geht der gebürtige Mainzer in seine „letzte“ Saison für die „Riesen vom Rhein“. Die Machtverhältnisse im deutschen Basketball hatten sich verändert, BAYER war nicht mehr das Nonplusultra, welches man bezwingen musste, um den Meistertitel zu erringen: „Wir konnten nicht mehr mit den ganz großen Vereinen wie ALBA Berlin oder den Telekom Baskets Bonn mithalten“, so der 48-Jährige. „Auf den deutschen Positionen waren wir zwar mit Hansi Gnad, Tim Nees und mir gut besetzt, aber es fehlten die starken Imports, die in der Vergangenheit mit Spielern wie Kannard Johnson oder Clinton Wheeler noch den Unterschied gemacht hatten. So war es an der Zeit für mich weiterzuziehen.“

Vier Meistertitel und zwei Pokalsiege errang Wucherer schussendlich mit den Farbenstädtern in den 90er Jahren. Die großen Schlachten mit ALBA Berlin hat er nicht vergessen: „Die Rivalität zwischen BAYER und ALBA hat die 90er im deutschen Basketball geprägt. Beide Mannschaften begegneten sich auf Augenhöhe. Da waren bei den Hauptstädtern Akteure wie Sasa Obradovic, Stephan Baeck oder die talentierten Ademola Okulaja sowie Henrik Rödl zu finden. Zwar hat Berlin uns einiges abverlangt, aber am Ende haben wir immer die Nerven behalten und ALBA nicht den Hauch einer Chance gelassen. Wir konnten in den Playoffs und im Pokal noch immer ein Schippe drauflegen, deshalb sind wir in den 1990er Jahren so dominant aufgetreten!“

 

Quelle: Bayer Giants Leverkusen

Schlagworte: Bayer Giants Leverkusen, Denis Wucherer, Throwback
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