Spotlight #10: Wer bucht die Tickets fürs Finale?

Halbfinalzeit in der ProA! Die Viertelfinalserien liegen hinter uns und mit Phoenix Hagen, den Eisbären Bremerhaven, den Bozic Estriche Knights Kirchheim sowie den GIESSEN 46ers sind nun noch vier Teams im Rennen um den Finaleinzug. Wie schon in der ersten Playoffrunde, sind auch die Halbfinals als Serien im Modus Best-of-five angesetzt, wobei jeweils das in der Hauptrunde höher platzierte Team Heimrecht in Spiel eins, drei und einem möglichen Spiel fünf hat. Heiße Partien sind vorprogrammiert, blicken wir auf die beiden Duelle…

Phoenix Hagen vs. Eisbären Bremerhaven: Hauptrundensieger gegen Angstgegner?

Auf der linken Seite des Playoffbaums treffen die beiden Teams aufeinander, die ihre Viertelfinalserie mit einem Sweep beendet haben. Sowohl Phoenix Hagen als auch die Eisbären Bremerhaven konnten also mit 3:0 ins Halbfinale einziehen und dürften dementsprechend ausgeruht in die Serie starten. Beim Duell Erster gegen Vierter ist die Favoritenrolle zwar schnell verteilt, allerdings sind die Eisbären das einzige Team, das in dieser Saison beide Spiele gegen Hagen gewinnen konnte!

-1 im Hinspiel und -15 im Rückspiel – das waren die Ergebnisse in den beiden Hauptrundenpartien gegen Bremerhaven aus Hagener Sicht. Damit sorgten die Eisbären alleine für ein Drittel der Niederlagen des Hauptrundensiegers, der ansonsten weitgehend souverän durch die Saison ging. Daran knüpfte Phoenix auch in den Playoffs an und ließ den PS Karlsruhe LIONS keine Chance. Mit 90:66, 108:73 und 79:70 machte man den Halbfinaleinzug klar. Das 90:66 in Spiel eins war übrigens, trotz aller Erwartbarkeit, etwas Besonderes, denn es war der allererste Playoff-Auftaktsieg in der Phoenix-Vereinsgeschichte! Trotz des klaren Siegs im Viertelfinale, fällt beim Blick in die Statistiken noch einiges an Verbesserungspotential auf. In der Hauptrunde war Hagen mit 38,4% bei der Dreierquote noch das beste Team der Liga, jetzt in den Playoffs fanden nur 29,7% der Würfe von Downtown ihr Ziel. Zudem leistete man sich mehr Turnover als in der regulären Saison. Dafür zeigten die Feuervögel aber am Brett Dominanz und griffen sich mehr als 50 Abpraller pro Partie, deutlicher Ligabestwert. Gerade die fast 16 Offensivrebounds sind ein Grund dafür, dass man trotz der unterdurchschnittlichen Quoten 92,3 Punkte pro Partie auflegen konnte.

Nur ein Team kommt in den Playoffs auf einen noch höheren Punkteschnitt und das sind, wie sollte es anders sein, die Eisbären Bremerhaven. Zugegeben, dieser Schnitt wird deutlich davon beeinflusst, dass die Nordseestädter beim 117:112 in Spiel drei in die Overtime mussten. Doch auch die Feldwurfquote (51,8% Topwert der Playoffteams) unterstreicht das offensive Potential der Eisbären. Das Team von Steven Esterkamp bekam es im Viertelfinale mit den Artland Dragons zu tun, so gesehen lautet das Duell also nun ein zweites Mal Feuer gegen Eis. In allen drei Partien gegen die Drachen war es bis zum Schluss spannend (der Overtimesieg war mit +5 schon das deutlichste Ergebnis), die Serie hätte auch gut und gerne über mehr als die drei Spiele gehen können. Doch letztendlich bewiesen die Eisbären immer kühlen Kopf und Crunchtime-Qualitäten. Wichtige Erfahrungen, die etwa Hagen in der Form noch nicht sammeln konnte und am Ende ausschlaggebend sein könnten?

Mit Übersicht auf der eins: Elijah Miller (l.) und Bjarne Kraushaar (r.) gehörten in der Hauptrunde zu den Top 3-Assistgebern der ProA (Foto: Jörg Laube).

Bozic Estriche Knights Kirchheim vs. GIESSEN 46ers: Überraschungsteams unter sich

Im zweiten Halbfinale treffen die beiden Teams aufeinander, die im Viertelfinale für Upsets sorgten. Sowohl Kirchheim als auch Gießen konnten sich gegen höher platzierte Teams durchsetzen und so kommt es nun sogar zum ungewöhnlichen Fall, dass die Knights als Sechstplatzierter mit Heimrecht in das Halbfinale gehen.

Auf dem Weg dorthin schalteten die Kirchheimer den BBL-Absteiger aus Göttingen aus, und das obwohl man zunächst das Auftaktspiel in Niedersachsen verlor. Doch was dann folgte war ein klarer Heimsieg (+14) in Spiel zwei, der die Richtung für den Rest der Viertelfinalserie vorgab. Auswärts klaute man Spiel drei und den Matchball vor heimischer Kulisse verwandelten die Ritter in der Crunchtime. Nun steht also das Matchup gegen die 46ers an, mit denen das Team von Igor Perovic noch eine Rechnung offen hat. Beide Hauptrundenspiele konnten die Gießener deutlich für sich entscheiden, das 89:111 im Rückspiel stellte für die Knights sogar die höchste Niederlage der Saison dar! Um nun also Revanche zu nehmen, kommt es vor allem auf das starke Import-Trio aus Tylan Pope, Chuck Harris und Phillip Russell an, die in der Postseason zusammen für knapp 50 Kirchheimer Punkte pro Partie verantwortlich sind. Doch in den Playoffs laufen immer wieder auch die Rollenspieler zur Höchstform auf und so war etwa Aeneas Jung im entscheidenden vierten Spiel der effektivste Ritter. Mit einem Wert von 19 legte er mehr als das Dreifache seines Hauptrundendurchschnitts auf.

Doch auch die Gießener konnten im Playoff-Viertelfinale gegen die favorisierten Merlins aus Crailsheim ungeahnte Leistungsexplosionen verzeichnen. 18 Punkte in Spiel zwei, 21 Punkte und sieben Rebounds in Spiel vier: Das sind die Stats von Daniel Norl, der sich seine beiden besten Performances im 46ers-Trikot offensichtlich für die Playoffs aufgehoben hatte. Doch nicht nur er packte im Vergleich zur Hauptrunde einiges drauf, auch Spieler wie Simon Krajcovic, Aiden Warnholtz, Viktor Kovacevic und Robin Benzing steigerten ihre Punkteausbeute in der Postseason. Das liegt vor allem daran, dass die Gießener plötzlich ihre Dreier treffen. In der regulären Saison traf das Team von Frenkie Ignjatovic nur 30,9% von jenseits der 6,75m, ligaweit Platz 16. Doch nun fallen knapp 39% der Dreier, Bestwert aller Halbfinalteilnehmer! Ein besonderes Duell wird es übrigens auch auf der Trainerbank. Die beiden Coaches Perovic und Ignjatovic kennen und schätzen sich so sehr, dass letzterer sogar zur Hochzeit der Tochter seines Kirchheimer Gegenüber eingeladen wurde. Diese ist für Anfang Juni geplant, parallel zu den Finalspielen der ProA. „Nur einer von uns beiden wird an diesen Feierlichkeiten teilnehmen können“, fasst Ignjatovic die Dramatik zusammen…

Maier gegen Mayer beim Auftaktspiel der beiden Teams (Foto: Nina Sander/Silas Kunz).

Die beiden Halbfinals starten am morgigen Mittwoch, spätestens am 31. Mai wissen wir dann welche beiden Teams den Einzug in das Finale und das damit verbundene sportliche Aufstiegsrecht für die easyCredit BBL erreichen. Den Ausblick auf das Final-Matchup gibt es dann in der nächsten Ausgabe von Spotlight. Wenn du das nicht verpassen möchtest, abonniere am besten hier unseren Newsletter, dort gibt es immer einen Reminder, wenn eine neue Ausgabe von Spotlight online ist.