Spotlight #6: Neue Gesichter für den Saisonendspurt

Es war Länderspielpause in der ProA. Das gab nicht nur den Teams, sondern auch uns die Zeit, um vor dem anstehenden Saisonendspurt nochmal kurz Luft zu holen. Zehn Spiele stehen noch an und sowohl an der Spitze als auch am Ende der Tabelle ist noch alles offen… Da ist es also gut verständlich, dass fast alle Teams im Laufe der Saison nochmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen haben, um sich für die entscheidenden Partien zu wappnen. Seit Mitte Februar können nun keine neuen Spieler mehr gemeldet werden, die Wechselfrist ist abgelaufen. In dieser Ausgabe von Spotlight werfen wir einen Blick auf einige der aktuellsten Neuverpflichtungen und schauen uns an, wie sie ihren Teams auf der Zielgeraden der Saison helfen können. 

Bekannte Namen für die Spitzenteams

Wie untermauert man seine Aufstiegsambitionen am eindrücklichsten? Klar, mit guten sportlichen Leistungen, aber auch auf dem Transfermarkt kann man Statements setzen. So ist es Ende Januar beim Spitzenreiter aus Hagen passiert. Ohne dass es durch Verletzung oder Abgänge erzwungen war, präsentierte man einen ligabekannten Neuzugang. Ryan Schwieger wechselte vom BBL-Team aus Würzburg zu Phoenix und soll nun dabei helfen, das zu erreichen, was ihm bereits vor drei Saisons mit RASTA Vechta gelungen war: Der Aufstieg in die easyCredit BBL. Der flexible US-Boy kann sowohl auf der Eins als auch auf dem Flügel agieren, eine Variabilität, die natürlich gut in den ohnehin schon stark besetzten Kader passt. Vor seiner Rückkehr in die ProA war Schwieger in dieser Saison für die Würzburger vor allem in den Partien in der Basketball Champions League im Einsatz. Diese Gemeinsamkeit teilt er sich mit dem aktuellsten Neuzugang des Tabellenzweiten aus Göttingen. Denn dort reagierte man auf den längerfristigen Ausfall von Kevin Buckingham mit der Verpflichtung von Wes Dreamer. Der Forward stand bisher beim tschechischen Team Era Nymburk unter Vertrag und kehrte nun zu Coach Fabian Strauss zurück. Wieso kehrt zurück? Richtig, auch Dreamer ist kein Unbekannter. Er, Strauss sowie Point Guard Daniel Kirchner kennen sich bereits aus der letzten Saison, als alle drei bei den Dresden Titans arbeiteten. Damals war der Power Forward der überragende Mann bei den Sachsen, legte in gleich zwölf Spielen 20 oder mehr Punkte auf! Nun trägt Dreamer also das Trikot der Veilchen und soll auf dem Weg in Richtung Wiederaufstieg, neben seinem Potential für traumhafte Wortspiele, ein entscheidender Baustein im Saisonendspurt sein.

Entscheidende Puzzleteile für den BBL-Aufstieg? Ryan Schwieger und Wes Dreamer (Fotos: Dennis Green, Max Vogel).

Die Bremerhavener Big Men-Rochade

Sehr aktiv ging es in den letzten Wochen auch bei einem weiteren Top Team der ProA zu. Die Eisbären Bremerhaven nutzten die verbleibenden Tage vor der Transferfrist, um nochmal an der Besetzung der großen Positionen zu schrauben. Los ging es mit der Verpflichtung von Lorenz Brenneke. Der 26-jährige stand die letzten Jahre in Diensten der SKYLINERS aus Frankfurt, mit denen er 2023/24 auch den Wiederaufstieg in die BBL schaffte. Es folgte eine Saison als Kapitän der Frankfurter, ehe ihn eine Verletzung zu Beginn dieser Spielzeit ausbremste. Nun folgte der Schritt zu den Nordseestädtern, bei denen er für mehr Tiefe auf den großen Positionen sorgen soll. In der Gerüchteküche wurde zwischenzeitlich auch über einen Wechsel Brennekes zu den HAKRO Merlins Crailsheim gemunkelt, die dann aber kurzerhand Till Isemann unter Vertrag nahmen, wenn man so will den Vorgänger Brennekes bei den Eisbären. In einem Spiel standen beide gemeinsam in der Stadthalle Bremerhaven auf dem Parkett, ehe der Wechsel Isemanns zum direkten Konkurrenten und Tabellennachbarn verkündet wurde. Für Merlins-Coach McCray ist der Center „ein absoluter Glücksgriff.“ Zum Gastspiel in der alten Heimat kommt es für den erfahrenen Mann mit der Rückennummer 21 übrigens in weniger als drei Wochen (22.03. 15:00 Uhr) und wer weiß, vielleicht wird das Wiedersehen in den Playoffs nochmal intensiviert. Damit wäre die Bremerhavener Big Men-Rochade eigentlich schon zu Ende erzählt, wenn es nicht noch einen weiteren, zumindest zwischenzeitlichen, Transferhammer gegeben hätte. Denn nur ein neuer Big Man reichte den Eisbären noch nicht und so wurde der Zugang von BBL-Legende John Bryant unter Dach und Fach gebracht. Unter anderen Umständen eigentlich eines der Top Themen, doch nur wenige Tage nach der Verpflichtung kam die Hiobsbotschaft: Verletzung an der Achillessehne, Saisonaus.

Für den einen das letzte Mal im Eisbären-Trikot, für den anderen das Erste: Isemann und Brenneke im Spiel gegen Leverkusen (Fotos: Dennis Green).

Mit frischen Kräften die Playoffplätze sichern

Hinter den vier bereits beschriebenen Spitzenteams spielt sich einmal mehr ein enger Fight um die vier verbleibenden Tickets für die Postseason ab. Auf dem siebten Platz rangieren aktuell die GIESSEN 46ers. Mit großen Ambitionen gestartet, brauchte man lange um in die Saison zu finden. Vor allem auf der Position des Point Guards war es wie verhext. Simon Krajcovic kann aktuell noch nicht an seine Leistungen aus den letzten beiden Spielzeiten anknüpfen und Martin Junakovic verletzte sich in der Hinrunde. Dessen Nachfolger Devon Goodman fällt ebenfalls verletzt aus und so schlug man nochmal auf der Aufbauposition zu. Mit Adnan Arslanagic stieß ein erfahrener Playmaker zu den 46ers, der in dieser Saison auch schon im FIBA Europe Cup auf dem Parkett stand und 20 Punkte gegen die Löwen aus Braunschweig auflegte. Zuletzt spielte er in Bosnien, wo er auch für das Nationalteam aktiv ist. In der aktuellen Länderspielpause kam er bei beiden Siegen gegen die Schweiz zum Einsatz. Einen Platz hinter den Gießenern liegen im Moment die VfL SparkassenStars aus Bochum. Tief im Westen möchte man sicherlich den letztjährigen Playoffeinzug wiederholen und hat sich dafür mit Aitor Pickett verstärkt. Der Deutsch-Chilene verbrachte seine letzten beiden Saisons in Kirchheim, war also ein direkter Konkurrent zu den Bochumern (wir erinnern uns an den Vierervergleich zum Ende der letzten Spielzeit). Nach dem Sommer ging es für Pickett zunächst in sein Geburtsland zurück, ehe der Anruf aus Bochum kam. Dort verbreitert er nun die Rotation im Front Court und half etwa beim Auswärtssieg in Koblenz mit zehn Punkten bei makelloser Zweier- und Freiwurfquote.

Adnan Arslanagic und Aitor Pickett im neuen Trikot (Fotos: Nico Genslein, VfL SparkassenStars Bochum).

In Lauerstellung

Hinter den Bochumern formiert sich ein starkes Verfolgerfeld. Gleich drei Teams stehen gerade bei elf Siegen und damit nur einen Erfolg hinter Playoffplatz acht! Und um den Angriff auf diesen Platz zu starten haben die Nürnberg Falcons, PS Karlsruhe LIONS und EPG Baskets Koblenz auch alle nochmal personell nachgelegt. In Nürnberg fällt seit Januar Center Brandton Chatfield aus und auch auf Julius Wolf musste Coach Ralph Junge zuletzt verzichten. Entsprechend groß war die Lücke auf den Big Men-Positionen, die nun Giorgios Gkiouzelis füllen soll. Der Grieche kommt aus der ersten griechischen Liga und spielte mit Aris Thessaloniki sogar im EuroCup. In seinen ersten beiden Spielen im Nürnberger Trikot konnte er die aktuelle Niederlagenserie noch nicht stoppen, stand aber immerhin bereits jeweils gut 22 Minuten auf dem Court. Schon am Freitag treffen die Nürnberger dann auf die punktgleichen LIONS aus Karlsruhe, bei denen Jason George kurz vor Ende der Frist zum Kader stieß. Die Geschichte des deutschen Power Forwards ist trotz seiner erst 24 Jahre in ihrer Gänze zu umfangreich für diesen Text. BBL-Debüt in München, Dopingsperre, Neuanfang in dieser Saison beim ProB-Ligisten in Leitershofen, Wechsel in die BBL zu Würzburg… Nun also der Schritt zu den Löwen, wo er als wichtiger deutscher Rotationsspieler eingeplant ist. Mit ihm holte man auch direkt weitere Siege, sodass Karlsruhe aktuell als eine der formstärksten Mannschaften dasteht. Knapp 200 Kilometer weiter nordwestlich stehen die Baskets aus Koblenz ebenfalls bei elf Siegen. Im Gegensatz zu Nürnberg und Karlsruhe holte man sich hier nicht noch einen Großen, sondern nahm mit Julien Larry einen weiteren Point Guard unter Vertrag. Der 1,90m große Aufbau wechselte innerhalb der Liga von den Uni Baskets Münster ans deutsche Eck. In seinem zweiten Spiel im neuen Trikot traf er direkt auf seinen alten Club und konnte einen souveränen Auswärtssieg feiern.

Gkiouzelis, George und Larry, hier noch im Spiel gegen die Koblenzer (Fotos: Nathalie Zweifel, Aurelia Constantin, finken.design).

Die Teams im Abstiegskampf formieren sich

Playoffkampf, schön und gut, der größte Druck herrscht aber sicherlich im Tabellenkeller. Und so ist es kaum verwunderlich, dass seit jeher bei diesen Teams am meisten am Kader gebastelt wird.

Drei Siege vor den Abstiegsplätzen liegt der BBC Bayreuth, der am anstehenden Doppelspieltag schon einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen kann, denn es geht gegen die beiden Letztplatzierten Uni Baskets Münster und SBB Baskets. Damit das auch gelingt, wurde das Roster auf der Aufbauposition mit Kyle Sturdivant verstärkt, der aus Nordmazedonien nach Franken wechselt. Bei seinem ersten Auftritt im Bayreuther Trikot gelangen ihm direkt 13 Zähler bei guten Feldwurfquoten.

Die Tigers aus Tübingen sind ein weiterer Traditionsclub, der sich aktuell im Abstiegskampf befindet. Auch hier lotste man einen neuen Point Guard zu sich, gerade weil JaCobi Wood als Anführer weiterhin schmerzlich vermisst wird. Jordan Johnson heißt der neue Mann, der unter dem ebenfalls nun frisch eingesetzten neuen Trainer Detlev den Spielaufbau ordnen soll. Offensiv trägt er direkt die Hauptverantwortung und legt in den bisherigen vier Partien durchschnittlich 20,3 Punkte auf.

Auf Platz 17 und damit dem ersten Abstiegsplatz rangieren die Uni Baskets Münster. Die Westfalen schraubten vor der Wechselfrist nochmal doppelt am Kader. Zunächst verpflichteten die Münsteraner Deshon Taylor, doch die Freude währte nur kurz. Der US-Amerikaner hatte nur einen Einsatz im Baskets-Trikot und fällt seither verletzt aus. So musste man nochmal reagieren und sicherte sich die Dienste von Curtis Jones Jr. Der flexible US-Guard kam aus der Slowakei und legte in den ersten vier Partien solide 7,5 Punkte und 3,5 Rebounds auf.

Den letzten Tabellenplatz belegen die SBB Baskets. Der Aufsteiger verlor nach dem Überraschungserfolg gegen Bremerhaven zuletzt dreimal in Folge und rutschte so bis ganz unten durch. Im Gegensatz zur Konkurrenz holten die Baskets keinen Guard, sondern verstärkten sich auf dem Flügel mit Kevin Wohlrath. Der 31-jährige Deutsche verließ Bamberg im Sommer nach drei Jahren und kehrt nun in die ProA zurück, in der er bereits bei den Knights aus Kirchheim aktiv war.

Jede Menge neuer Gesichter also, die in den kommenden Wochen ihren neuen Teams helfen sollen, die Ziele für den Rest der Saison zu erreichen. Und mit dem nun anstehenden Doppelspieltag geht es direkt auch wieder mittenrein in den ProA-Wahnsinn! An dieser Stelle geht es in einigen Wochen mit der siebten Ausgabe dieser Kolumne weiter, wenn die ersten Entscheidungen, Rechenspiele und Co. anstehen. Wenn du das nicht verpassen möchtest, abonniere am besten hier unseren Newsletter, dort gibt es immer einen Reminder, wenn eine neue Ausgabe von Spotlight online ist.