Spotlight #9: Die heißeste Zeit des Jahres steht an

Die Hauptrunde in der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProA ist Geschichte – das bedeutet, dass uns nun die spannendste Zeit der Saison direkt bevorsteht! Schon am heutigen Mittwochabend starten die Playoffs und das Rennen um die Finaltickets und den damit verbundenen sportlichen Aufstieg in die easyCredit BBL ist damit eröffnet. Vier Duelle erwarten uns in der ersten Runde, wie gewohnt trifft dabei der Erste auf den Achten, der Zweite auf den Siebten usw.. Die Serien laufen im Modus Best-of-Five, wer zuerst drei Siege hat zieht in das Halbfinale ein. Gespielt wird dabei im 1-1-1-1-1-Rhythmus, die Teams haben also abwechselnd Heimrecht, wobei das höher platzierte Team ein entscheidendes fünftes Spiel vor heimischer Kulisse austragen darf. Doch genug der Formalitäten, werfen wir in dieser Ausgabe von Spotlight einen Blick auf die Viertelfinalserien…

Phoenix Hagen vs. PS Karlsruhe LIONS: Klare Sache oder der Start der nächsten Cinderella-Story?

Wie üblich starten wir dabei mit der vermeintlich klarsten Ausgangssituation. Phoenix Hagen bekommt es als Hauptrundenmeister mit dem Achtplatzierten aus Karlsruhe zu tun. Der Blick in die Vergangenheit verdeutlicht die Kräfteverhältnisse: Nur einmal ging in den letzten zehn Jahren der Erstplatzierte nicht mit 3:0 durch das Viertelfinale (2022: Tigers Tübingen vs. Eisbären Bremerhaven 3:1), einen Sturz des Ligaprimus gab es in dem Zeitraum gar nicht.

Für Phoenix Hagen ist der Top Seed in den Playoffs die logische Konsequenz aus einer Saison, die von Anfang an auf den größtmöglichen Erfolg ausgelegt war. Seien es die Verpflichtungen im Sommer oder auch die Kaderupgrades während der Spielzeit, Hagen hat deutlich gemacht, dass das Ziel BBL-Aufstieg in diesem Jahr ernst genommen wird. Über quasi die ganze Saison thronte man an der Tabellenspitze. Als es am letzten Spieltag nochmal eng im Kampf um Platz eins wurde, legte man bei den Uni Baskets Münster mit 128 erzielten Zählern einen Vereinsrekord auf und schoss sich für die Playoffs warm. Einen Schlüsselspieler bei den Hagenern herauszuheben fällt schwer, zu ausgeglichen ist das Team auf allen Positionen besetzt. Seien es der aktuelle Player of the month Marcus Graves (14,3 Punkte, 5,4 Assists) auf der Point Guard Position oder Shooter wie Devin Schmidt (41,6% Dreier) und Jeffrey Carroll (39,6% Dreier). Jeder Spieler kann vorangehen und eine Schlüsselrolle einnehmen, kein Wunder, dass Hagen mit deutlichem Abstand das beste Offensivteam der ProA ist (96,4 Punkte pro Spiel).

Es wirkt also fast schon sinnlos, sich gegen die Hagener auf ein offensives Shootout einzulassen, doch genau das ist den Karlsruhern in dieser Saison erfolgreich gelungen! Im Heimspiel in der Europahalle feuerten die LIONS aus allen Lagen und brachten damit das Spiel in die Overtime, in der sie schließlich den Sieg sicherten. 116:109 war das Endergebnis im Spiel vor gut einem Monat, ganze 54 (!) Versuche aus dem Dreierbereich nahm sich das Team von Demond Greene, gleich 17 Mal sicherte man sich zweite Chancen per Offensivrebound. Das Spiel hat aufgezeigt, dass die Karlsruher an einem starken Tag durchaus Siegchancen haben, gerade wenn man vor heimischer Kulisse aufläuft. Mit nur vier Niederlagen in der Europahalle gehören die Karlsruher zu den heimstärksten Teams der ProA. Und manch einer erinnert sich sicher noch gut an die Playoffs der vorletzten Saison. Damals starteten die Karlsruher als Siebter und spielten sich in einen Rausch, der im überraschenden Meistertitel endete! Damals stand im LIONS-Kader übrigens Dominick von Waaden, der mittlerweile im Hagener Trikot spielt und seinen zweiten Titel anpeilt…

Marcus Graves auf dem Weg zum Korb (Bild: Jörg Laube).

HAKRO Merlins Crailsheim vs. GIESSEN 46ers: Formstarke Zauberer treffen auf playofferfahrene 46ers

Hätte man vor der Saison eine Umfrage gestartet, hätten sicherlich nicht wenige das Match-Up Crailsheim vs. Gießen als mögliche Finalpaarung getippt. Doch dieses Duell steht nun schon im Viertelfinale an!

Die HAKRO Merlins sind aktuell das formstärkste Team der Liga. Einer guten Hinrunde folgte eine überragende Rückserie, in der man nur ein einziges Spiel verlor! Sogar das Auswärtsspiel beim Hauptrundenmeister Hagen konnte man gewinnen, nur der direkte Vergleich trennte beide Teams letztendlich, sodass die Merlins als Zweiter in die Postseason gehen. Bauen können die Crailsheimer vor allem auf ihre starke Defensive. Durchschnittlich lässt das Team nur 78,9 Punkte pro Partie zu, mit 9,1 Steals stibitzen die Merlins zudem die meisten Bälle pro Spiel. Doch diese Statistiken sollten gar nicht davon ablenken, dass Coach McCray auch auf der offensiven Seite eins der stärksten ProA-Teams geformt hat. Mit Jungs wie Allrounder Anthony Gaines (13,9 Punkte, 6,3 Rebounds), Scorer Vinnie Shahid (13,4 Punkte, 37,8% Dreier) und Center Marvin Ogunsipe (12,5 Punkte, 7,8 Rebounds) hat das Team aus Hohenlohe jede Menge Qualität im Kader. Dazu kommt, dass die Merlins noch eine Rechnung mit den Playoffs offen haben: Im letzten Jahr schied man im Viertelfinale in einer hochdramatischen Serie knapp aus. Ein bitteres Saisonende, das den Hunger auf Erfolg in dieser Spielzeit nur noch größer gemacht haben dürfte…

Doch bevor man sich in Hohenlohe mit einem möglichen BBL-Aufstieg befassen kann, stehen erstmal die GIESSEN 46ers vor der Tür. Auch die Gießener waren die Saison ambitioniert angegangen, fanden zunächst aber nur sehr schleppend ihren Rhythmus. Trotz des eigentlich eingespielten Kaders konnte man sich nicht in den Kampf um die oberen Plätze einschalten, sodass das Team von Coach Ignjatovic nun nur als Siebter in die Postseason startet. Und doch dürfen sich die 46ers durchaus Hoffnungen auf den Halbfinaleinzug machen, denn im letzten Duell mit den Crailsheimern war es sehr eng. Über weite Strecken zeigten die 46ers damals eine Top Leistung, erst gegen Ende verspielte man den Sieg mit unnötigen Ballverlusten doch noch und verlor 96:97. Partien wie diese zeigen, wie stark die Gießener sein können, zumal im Kader auch einiges an Playoff-Erfahrung steckt. Das Grundgerüst der Lahnstädter um Akteure wie Robin Benzing, Kyle Castlin oder Luis König Figge erreichte schon in der letzten Saison das Halbfinale, übrigens auch da mit einem Upset als schlechter platziertes Team. Für Letztgenannten stehen nun sogar bereits die vierten Playoffs im Gießen-Trikot an.

Top Scorer unter sich: Anthony Gaines (l.) und Kyle Castlin (r.) (Foto: dieLICHTBUILDER).

BG Göttingen vs. Bozic Estriche Knights Kirchheim: Die statistisch spannendste Serie

Das Match-Up Dritter gegen Sechster hat sich in den letzten Saisons zum statistisch spannendsten entwickelt! Denn gleich dreimal in den letzten vier Jahren gingen diese Serien über die volle Distanz von fünf Spielen. Einmal waren daran übrigens die Knights aus Kirchheim auch selbst beteiligt, in der vorletzten Saison verlor man im entscheidenden Spiel 5 gegen Phoenix Hagen. Für Göttingen wiederum steht nun die erste Playoffserie seit 2023 an, damals schaffte man es in der BBL überraschend in die Postseason.

Die BG war als Absteiger aus der BBL als einer der Favoriten in die ProA-Saison gegangen und zeigte gerade zu Beginn der Saison starke Leistungen. So gelangen etwa klare Siege gegen die Playoffteams aus Crailsheim und Quakenbrück und auch gegen den kommenden Gegner aus Kirchheim setzte man sich beim 97:78-Hinspiel souverän durch. Einige vermeidbare Niederlagen sorgten dafür, dass die BG nicht mehr entscheidend in den Kampf um die ersten beiden Plätze eingreifen konnte, dennoch ist der dritte Platz eine gute Ausgangsposition für die Veilchen. Das Team von Fabian Strauß zeichnet sich dabei vor allem über die Defensive aus, nach den HAKRO Merlins ist man das zweitbeste Team was etwa das Defensiv-Rating angeht. Offensiv liegt die Last auf Point Guard Jordan Sears (15,8 Punkte) und Zach Jackson (13,0 Punkte), insgesamt hat die BG aber mehr als eine Handvoll Spieler im Kader, die das Potential haben das Scoring zu übernehmen. Zudem lichtete sich zuletzt auch das Lazarett der Göttinger, da etwa Center Adam Ramstedt aus seiner Verletzungspause zurückkehrte und wieder für mehr Tiefe auf den großen Positionen sorgen kann.

Dass das Spiel unter den Körben wichtig sein wird, zeigt der Blick auf das zweite Aufeinandertreffen zwischen Göttingen und Kirchheim. Denn dieses gewannen die Knights am Ende hauchzart. Schlüssel für die Teckstädter war dabei vor allem die Überlegenheit am Brett, gleich zwölf Abpraller mehr als bei der BG standen im Boxscore. Gerade die 19 Offensivrebounds dürften Coach Perovic gut gefallen haben, waren sie doch der Hauptgrund dafür, dass die Ritter gleich elf Abschlüsse mehr als die Göttinger nehmen konnten. Blickt man auf die gesamte Saison, zeigt sich, dass die Kirchheimer zusammen mit Hauptrundenmeister Phoenix Hagen das reboundstärkste Team der Liga sind! Generell dürfte man bei den Knights sehr zufrieden mit der laufenden Spielzeit sein. Gerade nachdem man im letzten Jahr die Playoffs auf bitterste Art und Weise (verlorener Vierervergleich) verpasste, ist die nun souveräne Qualifikation für die Postseason ein klarer Schritt nach vorne. Allerdings schwächelte man zuletzt etwas, verlor unter anderem zuhause gegen Paderborn und verspielte auch im letzten Spiel gegen Köln beinahe den Sieg trotz 16 Punkten Führung. Doch auch die BG geht mit zwei Niederlagen aus den letzten drei Partien etwas stockend in die Serie, wer findet am schnellsten zur Playoff-Form?

Tylan Pope (l.) und Hendrik Drescher (r.) bringen Scoring von der Power Forward-Position (Bild: Swen Pförtner).

Eisbären Bremerhaven vs. Artland Dragons: Nordkracher auf Augenhöhe

Übrig bleibt nun noch das tabellarische Nachbarschaftsduell des Vierten gegen den Fünften. Dass es sich dabei mit Bremerhaven gegen Artland um ein Nordderby handelt, verleiht der Serie noch mehr Brisanz.

Gerade für die Eisbären dürfte das Match-Up eine willkommene Abwechslung sein, waren in den letzten Jahren doch eher weite Playoffreisen nach Gießen oder sogar Tübingen die Regel. Doch bevor man auswärts ranmuss, steht zunächst der Viertelfinalauftakt vor heimischer Kulisse an. Wie bereits mehrfach in dieser Saison zieht man dafür in die Bremer ÖVB Arena um, in der man in dieser Spielzeit die höchsten Zuschauerzahlen aller ProA-Teams erreichte. Sportlich spielten die Eisbären eine tolle Hauptrunde, die wie schon im letzten Jahr mit dem vierten Tabellenplatz belohnt wurde. Unter anderem konnte man als einziges Team beide Spiele gegen Hagen gewinnen und auch gegen den nun kommenden Playoffgegner gestalteten die Eisbären beide Partien erfolgreich (jeweils mit +4 gewonnen). Dreh- und Angelpunkt ist weiterhin Point Guard Elijah Miller (15,3 Punkte, 6,1 Assists), der nochmal eine Steigerung im Vergleich zur letzten Saison hingelegt hat. Mit zuletzt zwei Siegen in Folge hat sich das Team von Steven Esterkamp zudem schon in Form gespielt. Und vor allem in den Heimspielen sind die Bremerhavener eine Macht. Gerade einmal zwei Partien in heimischer Halle gingen verloren, das ist zusammen mit Phoenix Hagen Ligabestwert.

Doch auch der Gegner aus Quakenbrück ist nicht zu unterschätzen. Die Dragons schrieben sicherlich die Geschichte der Saison, als letztjähriger sportlicher Absteiger schaffte man den ungefährdeten Sprung in die Postseason! Geht man im Kader auf Suche nach Gründen für dieses Abschneiden, sticht einem sofort ein starkes Offensiv-Duo ins Auge. Überragender Mann ist Ben Burnham, der durchschnittlich ein Double Double auflegt (19,3 Punkte, 10,0 Rebounds) und zigfach zum Player of the week in der ProA ausgezeichnet wurde. Den anderen Teil der offensiven Hauptlast trägt Amir Hinton, der nicht nur 20,2 Punkte pro Partie einbringt, sondern auch die im jungen Dragons-Team so wichtige Playofferfahrung aufweist. Denn schon mit Jena und zuletzt Trier spielte Hinton in der ProA-Postseason. Eine solche Erfahrung weist sonst nur Timo Lanmüller aus seiner Tübinger Zeit auf (er spielte übrigens sowohl 2022 als auch 2023 Viertelfinalserien gegen Bremerhaven), während für den Rest des Kaders inkl. Coach Gruhn die Playoffs quasi Neuland sind. In den letzten Hauptrundenpartien tat man sich gegen Absteiger bzw. Abstiegskandidaten überraschend schwer und verlor zwei der drei Partien. Allerdings schonte Gruhn beim letzten Spiel seine beiden Top Stars, sodass Burnham und Hinton ausgeruht in den Playoffauftakt gehen können.

Miller attackiert: Knappe und umkämpfte Spiele sind vorprogrammiert im Nordduell (Foto: Stefan Pieper).

Vier tolle Viertelfinalserien erwarten uns also über die nächsten gut zwei Wochen. Wer setzt sich durch, schaffen Teams ohne Heimrecht die Überraschung? Hier geht es dann vor den Halbfinals mit dem Blick auf die neuen Match-Ups weiter. Wenn du das nicht verpassen möchtest, abonniere am besten hier unseren Newsletter, dort gibt es immer einen Reminder, wenn eine neue Ausgabe von Spotlight online ist.